Iron Harvest – Die Review zum CoH mit Mechs

Iron Harvest – Die Review zum CoH mit Mechs

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Iron Harvest ist ein RTS, das in einer alternativen Realität um das Jahr 1920, kurz nach Ende des 1. Weltkriegs spielt. In Iron Harvest sind gewaltige Diesel-Mechs die Könige des Schlachtfelds, mit denen Du im Singleplayer ebenso wie im KOOP und Multiplayer das Schlachtfeld beherrscht. Iron Harvest ist das klassische Echtzeit-Strategiespiel, auf das die Fans dieses klassischen Genres schon sehnsüchtig gewartet haben.

Wie ich Spiele teste findet ihr in einem meiner Beiträge (Link).

Iron Harvest Artwork

Systemanforderungen (Empfohlen)

  • Intel Core i7 8700k oder vergleichbare AMD CPU
  • 16 GB RAM
  • GeForce RTX 2060 oder vergleichbare AMD Karte
    min. 4 GB VRAM
  • 30 GB Speicherplatz

Userinterface & Handling

Die UI von Iron Harvest kann man mit gutem Gewissen als aufgeräumt bezeichnen. Man findet sich schnell zurecht und findet auch alle nötigen Infos um weiter zu kommen. Der Entwickler hat sich hier auch sehr stark an verwandten Titel wie Company of Heroes orientiert was sicherlich kein Fehler war. Die Minimap gibt alle Infos wieder die man braucht und besitzt auch den ein oder anderen Filter um spezielle Darstellungen zu erzeugen.

Das Handling von Iron Harvest hat leider noch etwas Verbesserungsbedarf. Bei größeren Massen an Truppen kommt es zuweilen durchaus vor, dass man einen Infanterietrupp auf einen Mech ansetzt und den Mechkiller auf die Infanterie. Dies ist bisher noch nicht optimal gelöst und sollte mit einem der kommenden Patches noch verbessert werden.

Storytelling & Missionsdesign

Iron Harvest bietet das wohl beste Storytelling im RTS Bereich seit Jahren. Egal was man erwartet wird erfüllt. Wird haben CutScenes aus dem Spiel, mal mehr mal weniger kurze Zwischensequenzen in der man versucht dem Spieler die Story näher zu bringen. Auch in den Leveln und während des Spielens kommen immer wieder kleine Schnipsel an Informationen, die dem Spieler mitteilen was demnächst zu erwarten ist.

In der zweiten (richtigen) Mission mit dem Zug den man durch den Level bringen muss bekommt man an der Brücke etwa kurz gezeigt was auf der anderen Seite auf einen Wartet. Auf der einen Seite hält das den Gamer davon ab einen Fehler zu machen, auf der anderen Seite ist es aber wiederum so geschickt in einen Storyhappen verpackt, dass es nicht wirklich auffällt.

Das Missionsdesign von Iron Harvest hat ebenso wie die Story ihre Höhen und Tiefen und haben grundsätzlich vom Aufbau her sehr Solide. Der Spieler bekommt immer wieder Wendungen präsentiert. Ist eine Mission abgeschlossen kommt eine neue auf die man sich erst wieder einstellen muss und auch an Nebenmissionen die kein muss sind mangelt es nicht. Darüber hinaus findet ein steter Wechsel zwischen Missionen mit Basisbau und “Guerillia” Missionen statt wo man nur ein paar Einheiten hat bzw. sich seine Einheiten zunächst zusammensammeln muss. Vereinzelt geht eine Missionsart auch bei Erreichen eines bestimmten Zieles in die andere über. So ist immer gewährleistet, dass der Spieler Um- bzw. Mitdenken muss um letztendlich zu gewinnen.

Spielspaß & Langzeitmotivation

Als Veteran von Command & Conquer, Company of Heroes und ähnlicher Titel habe ich viele Vergleichsmöglichkeiten. Zum Teil auch direkt nebenan installiert. insbesondere die besagten Spiele haben mir viele Stunden Spaß beschwert. In diese großen Fußstapfen versucht nun Iron Harvest zu treten.

Durch die hervorragend erzählte und in sich zumeist schlüssige Story baut das Spiel ganz automatisch einen Spannungsbogen auf, der auch die eine oder andere Niederlage verzeiht. Der Missionsaufbau tut dann hier sein übriges, damit der Spieler bei der Stange bleibt. Dieses Gefühl wenn man kurz vor der Niederlage in den Pausenmodus geht, empfand ich bei Iron Harvest nach all den Jahren der eher mäßigen RTS als sehr erfrischend. Der Spieler wird gezwungen sich mit dem Gelände und den damit zusammenhängenden Sichtlinien vertraut zu machen um einen optimalen Standort für die PAK zu finden.

Fragen wie “verteidige ich diese Ressource oder lasse ich den Verlust zu?” oder auch “an welcher Stelle baue ich am Besten eine Verteidigung auf?” sind an der Tagesordnung. Iron Harvest basiert zwar auf dem berühmten Stein/Schere/Papier Prinzip, tarnt dies aber durch gewissen Unterschiede in den Fraktionen sehr geschickt, so dass es nicht wie bei anderen Spielen so sehr ins Gewicht fällt. Die einzelnen Missionen, auch wenn es zahlenmäßig nicht so viele sind, haben eine angenehme Länge. Alles in allem bietet das Spiel im Singleplayer mindestens eine Spielzeit von 20 bis 30 Stunden. Sobald man den Multiplayer mit Kumpels mit dazu nimmt kommen sicher 100 Stunden und mehr dazu.

Performance & Grafik

Die Grafik ist bei Iron Harvest für ein RTS sehr ansehnlich. Landschaften und Mechs weisen viele schöne Details auf, die allerdings soweit ich feststellen konnte, nicht auf die Performance drücken. Darüber hinaus wird die Grafik verstärkend zum Storytelling genutzt und generiert eine packende und zur Story passende Atmosphäre.

Bezüglich der Performance habe ich aktuell, zwei Wochen nach Release, noch etwas bedenken. Wenn man sich die Systemanforderungen von Iron Harvest ansieht und diese mit meinen Specs vom System vergleicht, sollte ein flüssiger Betrieb kein Problem sein. Leider musste ich schon größere Framedrops beobachten die ich allerdings nicht nachvollziehen konnte. Mal ging es 10 FPS runter, mal 20 FPS. Beides nur sehr kurze Zeit, durch die eingeblendete FPS Anzeige aber deutlich sichtbar.

Darüber hinaus stockt das Spiel hin und wieder einmal, als würde es eine kurze Bedenkzeit benötigen. Trotz dieser kleinen Ärgernisse kann man Iron Harvest aber eine durchaus stabile, zumeist flüssig laufende technische Basis attestieren.

KI & Balance

Kommen wir zunächst zu Balance. Hier sind mir bisher keine größeren Ungleichgewichte aufgefallen. die AT Mechs der Rusviets haben vielleicht etwas zu viel Bums, dafür haben sie eigentlich keinen kleine Version davon. Auch die Artillerie sollte ganz allgemein nochmal etwas überarbeitet werden. Das grundlegende Balancing ist aber ok, so dass man von einem im großen und Ganzen sehr ausgeglichenen Spielgefühl ausgehen kann.

Etwas anders sieht es bei der KI aus. Diese ist mehr oder weniger eigentlich mein größter Kritikpunkt. Bei Iron Harvest ist leider sehr viel geskriptet. Der Gegner greift in Wellen an und in der Regel auch in der gleichen Reihenfolge. Gleich bei einer der ersten Missionen mit Basenbau mit Polonia fällt das auch direkt auf. Hat man mit den eigenen Truppen einen gewissen trigger erreicht kommt die erste Welle. Angriff aus Norden, Angriff aus Westen, Angriff aus Osten und repeat. Das geht auch solange weiter, wie man die kleinen Nebenbasen des Gegners nicht zerstört hat. Hier wäre im Jahr 2020 mehr drin gewesen.

Bugs & Probleme

Größere Bugs oder Probleme sind mir beim Spielen nicht aufgefallen. Wirft man einen Blick in die Steam Reviews wird man Probleme wie “Spiel startet nicht” und ähnliches finden. In der Regel, und auch aus eigener Erfahrung, liegt so etwas aber am PC des jeweiligen Nutzers. Veraltete NETFRAMEWORK, fehlerhafte Installationen etc. können derartige Fehler hervorrufen.

Fazit

Nun haben wir das Ende meiner Review erreicht. So wirklich in Worte fassen kann ich Iron Harvest aber leider nicht. Wenn man bedenkt, dass dieses Spiel aus einer Kickstarter Kampagne heraus geboren wurde und später von Deep Silver übernommen wurde, deutet dies normalerweise auf ein eher mittelmäßiges Spiel hin. Nicht so bei Iron Harvest.

Iron Harvest ist ein Company of Heroes im modernen Gewand. Wer allerdings großen Basenbau sucht wird hier eher enttäuscht sein, denn dieser beschränkt sich in Iron Harvest auf zumeist drei bis vier Gebäude und möglicherweise ein paar Bunker. Dem Gegenüber setzt man sehr stark auf eine gute Story, ein gutes und abwechslungsreiches Missionsdesign und eine mal mehr mal weniger steile Lernkurve für den Spieler. Iron Harvest verkörpert viel was sich die RTS Spielergemeinschaft nach Company of Heroes 2 gewünscht hat. Moderne Technik, gute Story, gute Grafik und Schlachten die sowohl optisch als auch von der Menge der Einheiten her was hermachen.

Grobe Schnitzer oder Bugs konnte ich während meiner Spielzeit bisher nicht finden, ein oder zwei Abstürze gab es allerdings. Leider verhält sich Iron Harvest sehr statisch und vorhersehbar. Dies hätte man etwas anders lösen sollen um den Spieler vor eine größere Herausforderung zu stellen. Aktuell taucht nach einem Trigger immer wieder die gleiche Menge an Einheiten einer bestimmten Kombination auf.

Abschließend kann ich aber trotz der kleinen Einschränkungen Iron Harvest aber eine Absolute Kaufempfehlung geben. Es ist das beste RTS seit Jahren und wird Fans des Genre lange beschäftigen.

Iron Harvest

49,99 € (Steam) / ab 33,89 € (Keyseller)
8.1

Userinterface & Handling

7.5/10

Storytelling & Missionsdesign

9.0/10

Spielspaß & Langzeitmotivation

9.0/10

Performance & Grafik

8.0/10

KI & Balance

7.0/10

Positiv

  • hervorragende Story
  • gutes Balancing
  • weitestgehend frei von größeren Bugs
  • große Langzeitmotivation

Negativ

  • teilweise starkes Scripting
  • Animationen fehlen
  • Lernkurve mitunter auch mal steiler